Ernst sein ist alles – ein Interview mit dem Theaterausschuss

Wer bei der großen Theateraufführung am 14. und 15. Juli in der Tutoria anwesend war, dem dürfte der Titel keine Unklarheiten bereiten. Wer das Event verpasst hat, der kann hier einen Einblick bekommen. Änderungen in den Antworten sind durch [eckige Klammern] gekennzeichnet.

Wieso habt ihr Oscar Wilde’s Stück „ The importance of being earnest“ gewählt?

Es gibt viele Gründe dafür, Oscar Wilde zu spielen. Der Bühnenautor bemerkte einmal so passend, er liebe das Theater, denn es sei realistischer als das Leben selbst. In Die Notwendigkeit Ernst zu sein erschafft er liebenswürdige Figuren, die auf den ersten Blick völlig aus der Realität gegriffen scheinen, auf den zweiten allerdings noch immer aktuell sind. Es ist eben eine triviale Komödie für ernsthafte Leute. Wir haben uns für den Klassiker entschieden, weil wir diese Spannung interessant fanden. Die Leichtigkeit und gleichzeitige ERNSThaftigkeit des Stückes hat uns überzeugt und noch mehr, sie hat begeistert. Ein weiterer Grund waren die vielen Wortspiele. Man muss dazu sagen, dass wir, der Theaterausschuss, für Wortspiele schwärmen, damit dies allerdings nicht Überhand nimmt, mussten wir eine Wortspielkasse gründen. Dieses Stück hat uns erlaubt diese Reglementierung geschickt zu umgehen. Es ist eine Komödie, aus der man auch zu viel lernen kann. Zum Beispiel, dass heutzutage viele Leute […] obwohl sie ernsthaft aussehen, unecht und gekünstelt sind. Deshalb, weder Geld noch Aussehen, noch Herkunft, könnten den Charakter der Leuten verraten. Unserer Meinung nach wollte [Wilde] durch diese Komödie kritisieren, wie unwahr die aristokratische Gesellschaft in seinem Zeitalter war, und die große Bedeutung, [die sie den] unwichtigen Sachen gegeben haben, z.B der Name, die Herkunft usw. einer Person.

Die Besetzung war meiner Meinung nach sowohl optisch als auch von den Eigenschaften sehr passend gewählt. Wie ist dies zustande gekommen? Haben sich die Schauspieler selber für ihre Rolle gemeldet oder hattet ihr eine Art Casting?

Bei uns läuft es generell so, dass jeder die Möglichkeit bekommen soll, in eine Rolle zu schlüpfen, die ihn interessiert und fordert. Jeder Schauspieler gibt also seine Preferenzen an. Danach wurden einzelne Szenen in verschiedenen Konstellationen durchprobiert, die endgültige Entscheidung jedoch lag beim Regisseur Veit Braun und Robert Bernhart, der das Stück auch vorgeschlagen hatte.

Wie lange habt ihr geprobt?

Ein Stück zu erarbeiten ist stets ein Prozess, der sich meist über zwei Semester zieht. Sowohl die Stückauswahl, als auch die Rollenvergabe fanden im Wintersemester statt. Ab Fasching haben wir uns jeden Sonntag getroffen und geprobt. An den beiden Wochenenden vor der Aufführung gab es Probenwochenenden, das heißt wir haben uns Freitag, Samstag und Sonntag getroffen und haben zunächst die einzelen Akte dann auch das komplette Stück in  Durchläufen geprobt.

Die Kostüme stellen die Zeit perfekt dar. Stammen diese aus dem eigenen Bestand oder Verleih?

Die Kostüme stammen aus unseren Kleiderschränken, zumindest zum Großteil. Wir haben untereinander getausch und versucht uns aufeinander abzustimmen. Bei der Kostümwahl ist es wichtig der einzelnen Figur gerecht zu werden, dabei muss aber auch das Ensamble stimmig sein. Besonders schwierig war es die Tochter [Gwendolyn Fairfax] von der Mutter [Lady Bracknell] abzusetzen und die Stadt-Land-Beziehung zu verdeutlichen.

Wie erfahren sind die Mitglieder im Schauspiel? Waren von den heutigen Schauspielern einige bei der letzten Theateraufführung dabei? Wie verhält es sich mit Lampenfieber und der Aufregung? War es bei der zweiten Aufführung leichter?

Die Erfahrung der Schauspieler ist sehr unterschiedlich. Es gibt Darsteller mit viel Bühnenerfahrung, andere standen zum ersten Mal auf der Bühne. An der letzten Aufführung waren vier, der Darsteller beteiligt. Uns ist es aber wichtig, neuen Mitgliedern natürlich auch die Möglichkeit zu bieten zu spielen. Daher ändert sich die Besetzung, je nach Mitgliederanzahl von Aufführung zu Aufführung. Natürlich war die Nervosität, besonders vor der Premiere groß. Besonderen Respekt möchte ich unseren Nicht-Muttersprachlern aussprechen, überhaupt auf der Bühne zu stehen ist eine spannende Erfahrung, in einer Fremdsprache zu spielen allerdings nochmal viel fordernder. Selbstverständlich ist es beim zweiten Mal leichter, man ist wieder aufeinander eingespielt, man gewöhnt sich an das grelle Licht, das einen zuweilen blendet, die erhofften Lacher des Publikums hören auf irritierend zu sein. Zusammengefasst: Jede Aufführung ist nichts weiter als eine erneute Probe. In der Premiere gab es hauptsaechlich Nervositüt, wie das Publikum reagieren wird, lachen oder nicht in unserem Stäck. Allgemein, genau wie in jeder Premiere, sind die Schauspieler ein bisschen zurückhaltend. In der zweiten Aufführung […] gab es bei uns viel mehr Spass auf die Bühne zu stehen, und alle Schauspieler haben das Gefühl gehabt das Stück zu geniessen.

Ihr hattet neue Elemente („Mana-mana Song“, „auschecken“) in eurer Interpretation. Ist dies von Anfang an beabsichtigt gewesen oder in den Proben spontan entstanden?

Diese Elemente sind spontan in den Proben entstanden, teils aus Blödelei, teils als ernsthafte Vorschläge. Diese Elemente haben es uns ermöglicht die zu Beginn noch verborgene Geschwisterbeziehung der beiden Brüder herauszuarbeiten und sie in Kontrast zu setzen zu den sehr ernsthaften jungen Damen. Außerdem wurde damit die Tatsache, dass sich beide als Ernst ausgeben ad absurdum geführt.Habt ihr mit so einem Andrang gerechnet? Hat das Publikum euren Erwartungen entsprochen? Wie war es die letzten Aufführungen?

Zu unserer großen Freude kann ich sagen, dass die Aufführungen eigentlich immer gut besucht sind. Wir freuen uns besonders über das bunt gemischte Publikum. Wir bedanken allen die unsere Aufführung besucht haben, auch diese die wollten und nicht dabei sein konnten. Hinter den Kulissen das Publikum lachen zu hören bereitet immer wieder Freude und hat uns nicht nur einmal selbst ein Lachen abgerungen.  Das Lachen in den beiden Tagen hat uns viel mehr Mut gegeben auf die Bühne zu stehen und weiter zu spielen. 

Wollt ihr dieses Stück nochmals aufführen bzw. wisst ihr schon in welche Richtung euer nächstes Stück geht?

Dazu kann ich leider noch nicht viel sagen. Natürlich wäre es schön, das Stück nochmals im Herbst aufzuführen. Dies hängt jedoch davon ab, ob alle Darsteller im nächsten Semester wieder im Film- und Theaterausschuss mitwirken möchten/ können. Dies ist zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht abzusehen. Wir haben auch schon ein paar Ideen gesammelt, welches unser nächstes Stück werden könnte. Die endgültige Entscheidung möchten wir allerdings erst im kommenden Wintersemester treffen, damit die vielleicht neuen Mitglieder auch mitbestimmen können. Wir freuen uns sehr auf unseren neuen Mitgliedern, die viel Spaß für Theater haben werden, und dazu neue Ideen.

Vielen Dank!!

[Das Interview wurde nicht persönlich geführt sondern die Fragen digital zugesandt.]

Maily

Maily

HOH HOH HOH --- Water joke.

Das könnte Dich auch interessieren...