Ernst sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

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  • Gespanntes Publikum vor der Aufführung
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Zumindest bei den Fragen an den Theaterausschuss kann man sich sicher sein, dass die Antworten ernst gemeint sind. Wer ihre Aufführung Mitte Juli leider verpasst hat, und jetzt völlig verwirrt ist, der kann einen kleinen Einblick durch folgende Kritik erhalten.

Aufgeregtes und gespannte Menschen unterschiedlichen Alters füllen den Gang des GEZ, alle mit dem Ziel in den zweiten Stock des Gebaeudes. Zwei nette Studentinnen bieten Getränke vor einer verschlossenen Tür an, neben der ein hochwertiges, rätselhaftes aber auch künstlerisches Plakat die Aufführung des Theaterauschusses ankündigt. Pünktlich um 19 Uhr gewährt man dem Publikum Einlass, die in die zum Theatersaal verwandelte Tutoria blicken. Statt den behaglichen Couches, die viele Bewohner vom Haussprecherfrühstück kennen, nehmen die Besucher auf den etwa 50 Plätze mit Blick auf ein antiquiertes Wohnzimmer Platz. Auf jedem Sitz: eine A5-Broschüre, die alles sagt, und gleichzeitig nichts erklärt, sodass man unvereingenommen das ernst wirkende Stück erleben kann.

„Endlich lässt er sich einmal blicken, dieser Ernst. Aber wer ist er denn nun: Jack oder Algernon? Und mit wem ist er verlobt, Cecily oder Gwendolyn? Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Schließlich ist Sein nicht Schein alles…“

Unter klassischen Klavierklängen von wird im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins Dunkeln gebracht und der Tisch mit Porzellangeschirr durch einen fein gekleideten Butler gedeckt. Mit dem ersten Dialog werden die Zuschauer sofort und etwas unvermittelt auf eine Zeitreise in das viktorianische England genommen und folgen gespannt den Worten der ernsthaft guten Schauspieler. Drei Akte fesseln Studenten unseren als auch (viel) höheren Semesters. Die unterschiedlichen Abschnitte sind optisch getrennt durch kleine Veränderungen, aber essentielle Details im Bühnenbild. Chopin’s Valse de petit chien (Waltz D-Dur, Op. 64, No.1) leitet die erste 20-minütige Pause ein, während andere Stücke von ihm und Mendelsson weitere Bühnen- und Pausenwechsel ankündigen. Spannung, Verwirrung, Freude und vor allem viel Lachen erwärmen die Atmosphäre bis zum letzten Dialog des zwei einhalb Stunden langen Theaterstückes, das unter tosendem Beifall und anerkennenden Nickens die schauspielerische Leistung aller Mitwirkenden nicht besser hätte küren können. Mit einer überzeugenden Ernsthaftigkeit werden die anfangs skuril wirkenden Charaktere dargestellt und die Aktualität der Thematik durch die eigene Interpretation jedes Schauspielers vermittelt. Erwähnenswert ist dabei der sprachliche Hintergrund der Darsteller. Für viele ist es bereits schwierig überhaupt mit ernster Miene vor Publikum zu sprechen. Hier wird noch eins draufgesetzt, in dem die internationalen Studenten nicht einmal in ihrer Muttersprache geschauspielert haben. Applaus für diese große Leistung!

Das Stück „Ernst sein, ist alles“ (original: „The Importance of Being Earnest“ oder „Bunbery“) gehört zu den erfolgreichsten Salonstücken von Oscar Wilde, der sie aus eigener Sicht als seine beste Komödie bezeichnet [1]. Obwohl die Verwechslungskomüdie bereits 1895 insbesondere die englische Oberschicht satirisch darstellt, ist die Grundaussage jedoch immernoch aktuell und auf die heutige Zeit anwendbar. Mehrere Verfilmungen und sogar eine Veröffentlichung im Lustigen Taschenbuch (Band 209, 1995) verkörpert durch die jederman bekannte Comic-Ente Donald Duck unterstreichen die Berühmheit des Stücks.

[1]- https://de.wikipedia.org/wiki/The_Importance_of_Being_Earnest

Ich bin ernsthaft begeistert von der Interpretation des Theaterausschusses von Oscar Wildes Texts und freue mich schon auf die nächste Aufführung!

Maily

Maily

HOH HOH HOH --- Water joke.

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