Auf den Spuren Kafkas

Die Theatergruppe des Olympiadorfs führt jedes Jahr ein neues Stück in der Tutoria vor. Die Aufführung für kommenden Juli ist bereits fest in Planung, da sich die 24-köpfige Truppe einer neuen Herausforderung stellen wird: Die Verwandlung von Franz Kafka. Da runzeln viele Studenten die Stirn, da das Buch während des Abiturs nicht zu den Lieblingslektüren gehörte. Um sich optimal auf das Stück vorzubereiten, plant der Theaterausschuss eine Fahrt in Kafkas Heimatstadt Prag. Denn wie er selbst schon sagte: „Nichtstun ist eine der größten und verhältnismäßig leicht zu beseitigenden Dummheiten.“ Na dann nichts wie hin!

Die Stadt der 100 Türme

Prag ist mit ca. 1,2 Mio. Einwohner die größte Hauptstadt Tschechiens und eine der facettenreichsten Regionen Europas. Das war jedoch nicht immer der Fall. Die Stadt ist von historischen Niederschlägen geprägt.

Nachdem im 9. Und 10. Jahrhundert deutsche und jüdische Kaufleute in die Stadt zogen, wurde sie unter Karl IV. zur kaiserlichen Residenzstadt ernannt und wuchs zum politisch-kulturellen Zentrum Europas heran.  Mit der in 1348 gegründeten Karls-Universität befindet sie die älteste Universität Europas in der Prager Altstadt. Nach dem zweiten Prager Fenstersturz und dem anschließenden 30-jährigen Krieg, brach erstmals ein ethnischer Konflikt zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung und der Niedergang des tschechischen Nationalbewusstseins begann. In den Jahren der industriellen Revolution wuchs der Bevölkerungsanteil stark an, genauso wie der Anteil der jüdischen Bevölkerung. Prag wurde zur Multi-kulturellen Stadt, wodurch sie sich heute noch definiert. Viertel wurden strikt unterteilt in das tschechische, deutsche und in das Judenviertel. Franz Kafka, der 1883 in Prag geboren wurde, wuchs in einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Seine Lektüren sind geprägt von den sprachlichen Konflikten zwischen tschechischen und deutschen Pragern.

Auf den Spuren KafkasNach materiellen Verlusten im 1. Weltkrieg, wurde die Tschechoslowakei als neuer Staat gegründet. Nach der Vertreibung der Deutschen im Jahr 1945 wechselte die Amtssprache zu Tschechisch und Slowakisch. Als Satellitenstaat der UdSSR wurde das Land Teil des Ostblocks und Mitglied des Warschauer Paktes. Die Unabhängigkeitserklärung der beiden Staaten, Tschechien und Slowakei, erfolgte 1993. Heutzutage kann man immer noch die negativen Auswirkungen des Kommunismus feststellen. Ein Ausflug in den Norden des Landes zeigt, wie verarmt Teile der Bevölkerung nach 25 Jahren Unabhängigkeit noch immer sind.Die Hauptstadt Prag hat an ihrem Glanz jedoch nicht verloren, da Gebäude kaum durch die Kriege zerstört wurden.

Besondere Sehenswürdigkeiten sind neben dem Judenviertel, die barocken Gebäude der Altstadt, die Karlsbrücke  (s. Bild) über der Moldau und die Kleinstadt mit der Prager Burg. Einfach wunderschön, facettenreich und immer einen Kurztrip wert.

 

Eine ehemalige Einwohnerin als Stadtführerin

Lukretia, die als Tschechin ein Jahr in Prag lebte und Teil der Theatergruppe ist, wird als Expertin die Truppe durch ihre Heimatstadt führen. Unter dem Motto „Auf den Spuren Kafkas“ wird es im ersten Teil der Exkursion um die frühen Jahre des Autors gehen, welcher in Prag ebenfalls studierte und erste Werke veröffentlichte. Der zweite Teil handelt von der spannenden Historie der Stadt. Natürlich taucht man anschließend ins wilde und für uns skurrile tschechische Nachtleben ein. Jazzbars, Stripclubs und billiges Bier gehören genauso zur Stadt wie temperamentvolle Frauen. Geschlafen wird in einem der tschechischen Studentenwohnheime, welche im Besitz der Universitäten sind. 20qm Wohnfläche und Privatsphäre sind hier leider Fehlanzeige. Die Zimmer sind deutlich kleiner und müssen zu zweit oder dritt bewohnt werden. Gemeinschaftsduschen gehören genauso zum Alltag wie das Fehlen jeglicher Komfortzonen wie beispielsweise eine eigene Küche. Gekocht wird in Gemeinschaftsräumen und Lebensmittel werdenauf dem Fenstersims aufbewahrt, da man ansonsten vergeblich nach seiner Ware im Kühlschrank sucht. One Night Stands sind eher eine Ausnahme. Ja richtig gehört! Ein Pförtner kontrolliert den Einlass und ab 10 Uhr müssen die männlichen und weiblichen Begleitungen den Wohntrakt wieder verlassen. Da ist man als Olydorf-Student schon fast verwöhnt. Aber keine Sorge: Wie man ausgiebig feiert, wissen die Tschechen, deswegen sind strenge Grenzkontrollen keine Seltenheit.

Der dreitägige Ausflug findet vom 09.-11. März 2018 statt und die Theatergruppe sucht händeringend nach einer weiteren Person, die sich der Exkursion anschließen möchte. Wer mit möchte, darf sich gerne beim Theaterausschuss melden.

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