(Deutsch) Die Theatergruppe präsentiert: M – eine Stadt sucht einen Mörder

Slay him! Slay him! May I hack him on the fingers? May I tuck him by the hair? – Griegs Melodie ertönt, da ist noch kein Schauspieler auf der Bühne: Wie bei Fritz Lang dient sie bei der Inszenierung ‚M-Eine Stadt sucht einen Mörder‘ als Leitmotiv und begleitet die schrecklichen Taten. Doch wer ist der Mörder?

Warte, warte nur ein Weilchen… Da geschieht schon der erste Mord: Mit ruhiger Stimme spricht Frank Wurm zu Elsie Beckmann (Miriam Hilger) und führt sie an die Seite. Wenig später fällt Elsie tot zu Boden, Miriam aber erhebt sich mit ausdrucksloser Miene und schreitet zum Kleiderständer in der Mitte der Bühne. Hier gibt es keine festen Rollen, jeder spielt jeden. Ein Ball, ein Mantel, ein über die Schulter gehängter BH – das ist hier Kostüm genug und wird samt der Rolle abgestreift und ausgewechselt. Darunter schmucklos in schwarz gekleidet sind die Schauspieler beliebig. Die, die gerade keine Rolle spielen, gehen unberührt vom Geschehen einer nach dem anderen im Trott um die Kleiderstange. Starke Gesellschaftskritik oder dramaturgisches Mittel, um die Identität des Mörders geheim zu halten? Man erfährt es nicht. Und das ist nicht schlimm, denn es ist gut gemacht. Dies lässt sich so über die gesamte Umsetzung sagen:

Einen Vorhang braucht es nicht. Von Anfang an sind mehrere Schauplätze aufgebaut, zwischen denen das Geschehen wechselt. Auch der Umbau dieser ist weitestgehend in der Handlung integriert; den Szenenwechsel erkennt man am Griff zur Kleiderstange. Durch dieses schnelle Wechseln von Rollen und Schauplätzen entsteht eine Dynamik, welche die verschiedenen Szenen zusammenhält. Dem Publikum bleibt keine Wahl, sich von der Dynamik mitreißen zu lassen, denn es ist im Stück integriert. Wiegt es sich zu Beginn in seiner Rolle des Beobachters sicher, wird es bald durch Personenkontrollen ins Geschehen geholt. „Was geht mich das an?“, denken sich vermutlich manche. Auch als die Bettler durch die Reihen gehen und um Almosen bitten.

Wie viel es einen angehen sollte, muss jeder selbst entscheiden. Text und Handlung wurden vom FTA ohne größere Änderung übernommen, sodass überall der Zeitgeist der 30er Jahre mitschwingt. Daran stört man sich aber wenig, denn Umsetzung und schauspielerische Leistung sind hervorragend. #theater #kultur #olydorf #kult

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