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Dorfgespräch Dorfkultur Zeitgeschichte

Eine außergewöhnliche OlyLust für außergewöhnliche Zeiten
TEIL 2

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der OlyLust

zum Teil 1 geht es hier.

– Teil 2 –

2. „Fasching macht frei“

… und das wäre längst nicht alles, was das Jahr 1980 zum Analysieren anbietet, denn dieses lässt uns besonders auf ein zweites – zumindest aus heutiger Sicht – sehr kontroverses Plakat blicken, mit welchem – an der nationalsozialistischen Parole „Arbeit macht frei“ anlehnend – an die „offiziellen Dorfbewohner“ appelliert wurde, sich der bei der Durchführung des Faschings zu engagieren.

Was in der heutigen Gesellschaft nicht nur als Verharmlosung des Holocausts, sondern auch einfach als „sinn- und geschmackslos“ wahrgenommen werden würde, war damals im Rahmen eines Job-Werbeplakats für die „Oly-Fasching-Gaudi“ offenbar völlig unbedenklich. Interessant ist dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Nutzung solcher Analogien keineswegs einfach verschwunden ist. Es bedarf keiner aufwendigen Google-Suche, um einen Überblick darüber zu gewinnen, wie viele Skandale die kontextlose Nutzung eines solchen Spruchs.    
Konzernchefs, bis hin zu TV-Moderatoren, Nachrichtensender, Abgeordnete und nicht zuletzt auch US-Amerikanischen Handelsketten sind durch ähnliche Entgleisungen auf- und anfällig geworden.

Denn nichts bleibt heute vor den Augen der Zuschauer dank des Lichtes des Internetzeitalters verborgen. Und selbst in einem eher „kleineren“ Kontext würde heutzutage sowas nicht – zumindest nicht unkommentiert – durchgehen. Ob man – wie es bisweilen auch angedeutet wird – von einer tatsächlichen Diskussions- und Erinnerungskultur sprechen kann und nicht eher von einer, durch den Raum des Nicht-Vergessens motivierten, puritanen „Verbotskultur“ des Vergessens sprechen sollte, mag „Diskussions“-Thema eines anderen Artikels sein. Denn zumindest – oder besser gesagt – gerade wegen des eher lockeren und banalen Party-Kontexts dürfte es nicht schwer sein, sich zumindest hier darauf zu einigen, dass man etwas weniger Leichtfertigkeit und dafür etwas mehr Sensibilität hätte erwarten können.    
Und ganz abgesehen vom konkreten Kontext: ob die Werbeindustrie diese Zeit unbedingt aufgearbeitet hat und sich seitdem so viel geändert hat, dürfte man gerade in Hinblick auf einige in letzter Zeit veröffentlichte Videos der Autoindustrie gleich relativiert werden.[1] Man sieht also Geschichte hat die Fähigkeit, sich auch in völlig unterschiedlichen Kontexten widerzuspiegeln und wiederzufinden.

Eine außergewöhnliche OlyLust für außergewöhnliche Zeiten <br> TEIL 2 </br>
1980
3. Inklusiv und gleichzeitig exklusiv: Fasching für alle „offizielle Dorfbewohner“

Doch diese etwas unglückliche Analogie durfte nicht das Letzte sein, was im Rahmen der ikonischen (und sarkastischen) Kunst hinter dem Job-Werbeplakat des „Oly-Fashing-Gaudi“ vom Jahr 1980 – aus heutiger Sicht – auffällig erscheint. Denn wenn auf der einen Seite freilich Diskussionsbedarf hinsichtlich des Titels des Plakats bestand, wurde auf der anderen Seite schon besonders darauf geachtet, möglichst inklusiv zu schreiben, So war auch auf dem gleichen Plakat von „Sektbardamen oder -herren“ und „Garderobenleute“ die Rede. [Hervorhebungen durch den Verfasser]

Die Jobangebote waren aber wiederum trotzdem „exklusiv“, denn sie waren ausschließlich an die „offiziellen Dorfbewohnern“ gerichtet. Was damit gemeint sein könnte, führt uns zu einem der außergewöhnlichsten Artikel im Dorfbladl des neuen Jahrhunderts (welcher den Titel dieses Artikels übrigens auch inspiriert hat) ?.   
Manfred, ein sog. „Ureinwohner“ des Olydorfs erzählt uns in seinem Artikel „eine außergewöhnliche Zeit – ein Ureinwohner erinnert sich“ vom „Grau- und Schwarzbewohnen und [die] illegale Untervermietung“, die schon damals nicht nur die Beliebtheit dieses außergewöhnlichen Ortes in München bestätigten, sondern auch für etwas außergewöhnliche Verhältnisse gesorgt haben. Manfreds Aussagen bringen also ein paar Jahrzehnte später etwas Licht in die auffallend finstere Aussage „offizielle Dorfbewohner“. Besonders darin sieht man aber auch wie deutlich der Ausdruck „Studentenfasching“ gelebt wurde (und wird), um somit die Essenz des Events beizubehalten.

Fortsetzung folgt…


[1] Siehe beispielsweise: https://www.youtube.com/watch?v=OckkYoTZBLM