Kategorien
Anderswo

Friendly Reminder: Pride Month 🌈

Kein anderer Monat im Jahr hat so eine feste und tiefe Bedeutung wie der Juni: Denn im Juni feiert hauptsĂ€chlich in den USA die LGBTQ Community dreißig Tage lang ihre DiversitĂ€t und die Errungenschaften fĂŒr ihre Gesellschaft.

Hier in Deutschland wird jedoch allen eher die Pride-Week bekannt sein. Neben den ĂŒblichen Christopher Street Day Paraden finden auch bei uns eine Woche lang im Juli diverse Veranstaltungen der LGBTQ Community statt.

Trotz alledem werden im Juni normalerweise viele Bilder von bunten DemonstrationsumzĂŒgen, Veranstaltungen oder Pride-Paraden geteilt. Doch wegen der aktuellen Corona-Pandemie mussten all diese Veranstaltungen abgesagt werden, Bars und Clubs wurden geschlossen und große Menschenansammlungen sind verboten. Das hat immense Auswirkungen auf die PrĂ€senz und die Absichten der LGBTQ Community im Pride Month. ZusĂ€tzlich zu den bunten Partys wird auch auf aktuelle MissstĂ€nde hingewiesen und demonstriert.

Zwar finden nun digitale UmzĂŒge statt und es werden mehr online Angebote geboten, doch trotzdem landet eine große Community in der Versenkung, die sehr stark von Diskriminierung, Hass und Gewalt betroffen ist.

Geschichte der LGBTQ Bewegung

Die Geschichte des Pride Month fĂŒhrt auf die Stonewall Unruhen im Jahr 1969 zurĂŒck. In dieser Zeit hatten die Homosexuellen keine Rechte und wurden von der Gesellschaft geĂ€chtet. Gleichgeschlechtliche Beziehungen waren per Gesetz in New York verboten und die WHO stufte HomosexualitĂ€t als eine Krankheit ein. Zudem konnte man sofort festgenommen werden, wenn man zum Beispiel nicht die geschlechtsspezifische Kleidung trug oder genauer gesagt, gegen die damals geltenden Sodomiegesetze verstieß. Die Stonewall Inn Bar in der New Yorker Christopher Street war ein beliebter Treffpunkt und RĂŒckzugsort der Schwulen, Lesben und Transsexuellen. Jene mussten die regelmĂ€ĂŸigen Razzien in den New Yorker Bars ĂŒber sich ergehen lassen, da sie wie Kriminelle angesehen wurden. Doch die Besucher am 28. Juni 1969 wehrten sich in dieser Nacht gegen die Polizeigewalt und begannen mit tagelangen Demos und teilweise gewalttĂ€tigen Unruhen sich gegen die Diskriminierung zu wehren und fĂŒr die Entkriminalisierung zu kĂ€mpfen. Erst am 3. Juli 1969 galten die Unruhen als beendet.

Zum einjÀhrigen JubilÀum des Stonewall Aufstands wurde daher von der Gay Liberation Front am 28. Juni 1970 ein Marsch als Erinnerung von Greenwich Village zum Central Park organisiert. An dem Marsch nahmen mehrere Tausend Personen teil. So wurde die Tradition des Pride und Christopher Street Day (kurz CSD) eingelÀutet und ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil der LGBTQ Bewegung.

Regenbogenflagge

Die uns heute bekannte Regenbogenflagge wurde ĂŒbrigens erst im Jahr 1978 als positives Symbol der Gay Community vom KĂŒnstler, Aktivist und Drag Queen Gilbert Baker entworfen. Erst spĂ€ter wurde bekannt, dass die Regenbogenflagge auf Bitten des ersten schwulen und geouteten Politiker Harvey Milk designt wurde. Davor wurde oft nur das pinke Dreieck, womit Nazis homosexuelle und queere MĂ€nner in Konzentrationslagern kennzeichneten, als deren Symbol genutzt.

Jede Farbe der Flagge hat auch eine Bedeutung: Rot fĂŒr das Leben, Orange fĂŒr Heilung, Gelb fĂŒr die Sonne, GrĂŒn fĂŒr die Natur, Blau fĂŒr Harmonie und Lila fĂŒr SpiritualitĂ€t.

Aktueller Erfolg durch den Supreme Court

Der Supreme Court, der oberste Gerichtshof in den USA hat am 15. Juni 2020 die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen am Arbeitsplatz gestĂ€rkt, nachdem zwei Homosexuelle und eine Transfrau ihre Arbeitgeber verklagt hatten, die wegen Ihrer SexualitĂ€t entlassen wurden und nachgeordnete Gerichte zu unterschiedlichen Urteilen gelangt sind. Der Supreme Court kam so zum Entschluss, dass der Civil Rights Act ebenso fĂŒr den LGBTQ Personenkreis gilt und bedeutet nun auf offiziellem Wege, dass Menschen aufgrund ihrer SexualitĂ€t nicht benachteiligt bzw. diskriminiert werden dĂŒrfen. Die LGBTQ Bewegung feiert dieses Urteil und die Errungenschaft verstĂ€ndlicherweise mit großem Erfolg.

RĂŒckschlĂ€ge durch Donald Trump

Wo zum Einen große Errungenschaften erzielt werden, muss leider dank der Trump Regierung mit Besorgnis auf die Rechte der LGBTQ Community gesehen werden. Zur Amtszeit von Barack Obama im Jahr 2016 wurden Transpersonen zum Schutz vor Diskriminierung im Gesundheitswesen noch gestĂ€rkt und diese per Definition im Gesetz klar eingebunden. Genau diese Änderung wurde nun als jĂŒngste Errungenschaft von der Trump Regierung abgeschafft. Da Personen wieder nur als mĂ€nnlich oder weiblich bezeichnet werden, hat das womöglich zur Folge, dass Transpersonen schwereren Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Ein ebenso harter RĂŒckschlag fĂŒr Transsexuelle ist das im Januar 2019 entschiedene Verbot von Transpersonen im MilitĂ€rdienst. Transsexuellen kann nun der MilitĂ€rdienst verweigert werden, da diese nach Auffassung der Trump Regierung und Rechtsprechung durch den Supreme Court zu hohe medizinische Kosten verursachen und Unruhen in die Truppen brĂ€chten.

In Hinblick auf das 50 jĂ€hrige JubilĂ€um und die aktuellen Entwicklungen ist es besonders schade, dass alle Menschen – egal ob homo-, hetero-, bisexuell, queer etc. nicht zusammen feiern und demonstrieren können und auch so das Veranstaltungsangebot sehr eingeschrĂ€nkt sein wird.

Online Alternativen

Die große NYC Pride Parade wurde offiziell zwar abgesagt, jedoch wird wird ab Freitag, den 26. Juni eine virtuelle Rally veranstaltet. Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Homepage des NYC Pride.

https://www.nycpride.org/events/nyc-pride-march

Auch der CSD Umzug am 11. Juli in MĂŒnchen ist offiziell abgesagt. Doch die Veranstalter planen derzeit eine dezentrale Demo mit Aktionsspots in der Innenstadt zu organisieren. Sonst wird auch an einem Livestream des CSD gearbeitet. Mehr Informationen werden so bald wie möglich auf der offiziellen Homepage des CSD MĂŒnchen veröffentlicht.

https://www.csdmuenchen.de/